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Data Analytics · SCM Use Cases

12 Data Analytics Use Cases im SCM – welcher hat den höchsten ROI für Sie?

KI und Datenanalyse bieten im Supply Chain Management Dutzende Anwendungsmöglichkeiten. Das Problem ist nicht, dass es zu wenige gibt. Es ist, dass niemand Ihnen erklärt, welcher Use Case zu Ihrem Unternehmen passt – und mit welchem Sie wirklich anfangen sollten.

Dennis SchmalMärz 202615 Min. Lesezeit

Dieser Artikel geht durch alle 12 relevanten Data Analytics Use Cases im Supply Chain Management – mit ehrlicher Einschätzung zu Aufwand, Datenvoraussetzungen, typischem ROI und der Frage, für welche Unternehmen welcher Einstieg sinnvoll ist.

Jede Konferenz, jeder Newsletter, jede Ausschreibung dreht sich um KI und Digitalisierung. Die Botschaft ist immer dieselbe: Data Analytics verändert die Lieferkette. Wer jetzt nicht handelt, verliert.

Was dabei fast nie erklärt wird: Welcher konkrete Anwendungsfall bringt Ihrem Unternehmen überhaupt etwas? Was brauchen Sie, um ihn umzusetzen? Und wie viel Aufwand steht einem wie großen Nutzen gegenüber?

Ich habe die 12 wichtigsten Use Cases für Data Analytics im Supply Chain Management zusammengestellt und systematisch aufbereitet. Sie folgen dem Supply-Chain-Prozessfluss: von der Planung über Einkauf und Produktion bis zu Lieferung, Rückgabe und übergreifenden Funktionen. Für jeden Use Case gibt es eine ehrliche Einschätzung, keine Verkaufsprosa.

Der teuerste Use Case ist nicht der komplexeste. Es ist der, den Sie implementieren – obwohl er nicht zu Ihren Daten passt.

Dennis Schmal

Bevor Sie in die Liste einsteigen: Am Ende dieses Artikels finden Sie fünf Fragen, mit denen Sie Ihren persönlichen Einstiegs-Use-Case identifizieren können. Nehmen Sie sich dafür zehn Minuten. Es ist die wertvollste Zeit, die Sie vor dem Start eines Analytics-Projekts investieren können.

1
Prozessbereich: Plan

Planung & Absatz: Daten, die Ihre Entscheidungsgrundlage verändern

Der Planungsbereich ist für die meisten Unternehmen der naheliegendste Einstieg in Data Analytics – und gleichzeitig der Bereich, in dem schlechte Datenbasis am teuersten wird. Falsche Absatzprognosen kosten Kapital (zu viel Bestand) oder Umsatz (zu wenig Bestand). Beide Fehler haben direkte Auswirkungen auf Ihr Ergebnis.

01

Deskriptiv · Plan

Vertriebs- und Absatzreporting

Der Klassiker unter den Analytics-Anwendungsfällen – und trotzdem in vielen Unternehmen noch nicht richtig umgesetzt. Gemeint ist die automatisierte, visuelle Aufbereitung von Vertriebskennzahlen in einem zentralen Dashboard. Umsatz nach Kunde, Region, Produktgruppe und Zeitraum. Deckungsbeiträge auf Auftragsbasis. Abweichungen zwischen Plan und Ist – in Echtzeit, nicht erst am Monatsende nach langen Excel-Konsolidierungen.

Der Unterschied zu dem, was die meisten Unternehmen heute machen: Das Reporting passiert nicht mehr manuell und zeitverzögert, sondern automatisch und aktuell. Entscheidungen werden auf Basis von gestern gemacht – nicht auf Basis von letztem Monat.

Typische Erkenntnis nach der Einführung: Zwei Kunden generieren 40 Prozent des Umsatzes, aber nur 18 Prozent des Deckungsbeitrags. Das wusste niemand. Jetzt weiß es jeder – und zwar täglich.

Datenvoraussetzung

ERP, CRM oder Rechnungssystem mit Auftrags- und Umsatzdaten. Strukturiert, konsistent benannt.

Implementierungsaufwand

★★☆☆☆ Niedrig bis mittel

ROI-Einschätzung

Hoch – sofort sichtbar durch bessere Entscheidungsqualität und Zeitersparnis im Reporting

Geeignet für

Alle KMU mit vorhandenem ERP-System. Idealer Einstiegs-Use-Case für Unternehmen ohne Analytics-Erfahrung.

02

Prädiktiv · Plan

Bedarfsprognosen für optimale Lagerbestände

Dieser Use Case geht einen entscheidenden Schritt über das reine Reporting hinaus. Statt zu beschreiben, was verkauft wurde, berechnet ein statistisches Modell, was wahrscheinlich verkauft werden wird – und leitet daraus optimale Bestellmengen und Sicherheitsbestände ab. Das Ziel: weniger gebundenes Kapital bei gleichzeitig höherer Lieferfähigkeit.

KI-basierte Bedarfsprognosen berücksichtigen dabei mehr Faktoren gleichzeitig, als ein Mensch im Blick haben kann: Saisonalität, Trends, Aktionen, Lieferzeiten, Bestellzyklen wichtiger Kunden und externe Signale wie Marktentwicklungen oder Wettbewerberaktivitäten.

Konkretes Ergebnisbeispiel: Ein Lebensmittelhersteller reduzierte durch KI-basierte Bedarfsprognosen seinen durchschnittlichen Lagerbestand um 22 Prozent – bei gleichzeitig gestiegener Lieferbereitschaft von 94 auf 98 Prozent.

Datenvoraussetzung

Mindestens 12–24 Monate saubere Absatzhistorie auf Artikelebene. Ergänzend: Lieferzeiten, Kundenstruktur, saisonale Kalender.

Implementierungsaufwand

★★★☆☆ Mittel

ROI-Einschätzung

Sehr hoch – direkte Wirkung auf Bestandskosten und Lieferfähigkeit. Typische Amortisation: 6–12 Monate.

Geeignet für

Unternehmen mit breitem Sortiment, hoher Nachfrageschwankung oder regelmäßigen Bestandsproblemen. Zweiter Schritt nach UC 01.

2
Prozessbereich: Source

Einkauf & Lieferanten: Daten, die Ihr Beschaffungsrisiko sichtbar machen

Im Einkauf steckt in den meisten Unternehmen ungenutztes Analysepotenzial. Lieferantenperformance wird oft nur subjektiv bewertet, und neue Lieferantenquellen werden kaum systematisch gesucht. Dabei sind es genau diese Entscheidungen, die langfristig Kosten, Qualität und Liefersicherheit bestimmen.

03

Deskriptiv bis Prädiktiv · Source

Analyse der Lieferantenperformance

Wie zuverlässig sind Ihre Lieferanten wirklich? Nicht nach Gefühl – nach Daten. Dieser Use Case beschreibt die systematische, vergleichende Auswertung von Lieferantendaten: Termintreue, Qualitätsquoten, Preisstabilität, Reaktionszeiten bei Störungen.

In fortgeschrittenen Varianten fließen externe Datenquellen ein: Bonitätsdaten, Branchen-Benchmarks, Nachrichtenfeeds zu relevanten Lieferantenstandorten. So entsteht ein Frühwarnsystem, das Lieferantenrisiken sichtbar macht, bevor sie zu Lieferausfällen werden.

Häufige Erkenntnis: Der als schwierig geltende Lieferant ist bei objektiver Datenbasis oft besser als angenommen – und umgekehrt: Der langjährige Stammlieferant zeigt bei kritischen Teilen eine Termintreue von 71 Prozent, die niemandem bewusst war.

Datenvoraussetzung

Lieferavis-Daten, Wareneingangshistorie, Qualitätsprotokolle, Rechnungsdaten aus ERP. Optional: externe Marktdaten.

Implementierungsaufwand

★★☆☆☆ Niedrig bis mittel

ROI-Einschätzung

Hoch – bessere Lieferantenauswahl, weniger Qualitätsprobleme, niedrigere Reklamationskosten.

Geeignet für

Alle Unternehmen mit mehr als 10 aktiven Lieferanten. Besonders wertvoll bei Single-Source-Situationen.

04

Prädiktiv bis Präskriptiv · Source

Identifikation innovativer Lieferanten

Dieser Use Case geht über die Bewertung bestehender Lieferanten hinaus. Mithilfe KI-basierter Tools werden potenzielle neue Lieferanten systematisch identifiziert und bewertet – auf Basis von Technologieprofilen, Innovationsaktivitäten, Zertifizierungen und Patentdatenbanken.

Praxishinweis: Ein guter Einstieg ist oft ein hybrider Ansatz: KI-Tools für das initiale Scouting, danach menschliche Bewertung der Kandidaten. Das reduziert den Rechercheaufwand auf einen Bruchteil, ohne die Entscheidungsqualität zu senken.

Datenvoraussetzung

Klares Anforderungsprofil für Lieferanten, Zugang zu Lieferantendatenbanken oder Marktinformationen.

Implementierungsaufwand

★★★★☆ Hoch (in der Vollversion)

ROI-Einschätzung

Variabel – hoch bei strategischer Lieferantensuche, geringer für kurzfristige Einkaufsentscheidungen.

Geeignet für

Unternehmen mit Innovationsstrategie, hoher Lieferantenabhängigkeit oder starkem Wachstum.

3
Prozessbereich: Make

Produktion & Wartung: Daten, die Ausfälle verhindern und Effizienz steigern

In der Produktion entstehen große Datenmengen – und werden gleichzeitig am wenigsten systematisch genutzt. Maschinenzeiten, Ausschussquoten, Wartungsintervalle, Energieverbrauch: Diese Daten sind vorhanden, aber selten verbunden. Dabei steckt genau hier enormes Optimierungspotenzial.

05

Prädiktiv bis Präskriptiv · Make

Optimierung der Produktionsprozesse

Big Data Analytics für die Produktion bedeutet: Maschinensensordaten, Produktionsprotokolle und Qualitätsdaten werden kombiniert ausgewertet, um Muster zu erkennen, die auf Prozessineffizienzen oder drohende Qualitätsprobleme hinweisen.

Ein konkretes Anwendungsbeispiel: Ein Maschinenbauer erkennt, dass die Ausschussrate an bestimmten Maschinen um 30 Prozent steigt, wenn die Umgebungstemperatur in der Halle über 24 Grad steigt – ein Zusammenhang, den ohne Datenanalyse niemand hergestellt hätte.

Breitenhinweis: Dieser Use Case setzt voraus, dass Produktionsdaten digital erfasst werden. Wer noch manuell protokolliert, muss hier zuerst in Sensorik und Digitalisierung investieren.

Datenvoraussetzung

Digitalisierte Maschinendaten (MES, Sensoren, IoT), Qualitätsprotokolle, Produktionspläne.

Implementierungsaufwand

★★★★☆ Hoch – oft verbunden mit Sensorik-Investitionen

ROI-Einschätzung

Sehr hoch – Ausschussreduktion und Rüstzeitoptimierung wirken direkt auf Produktionskosten.

Geeignet für

Fertigungsunternehmen mit digitalisierter Produktion. Nicht empfohlen als Einstiegs-Use-Case ohne bestehende Datenbasis.

06

Prädiktiv · Make

Vorausschauende (prädiktive) Wartung

Predictive Maintenance ist einer der meistzitierten Use Cases im industriellen Umfeld – und einer, der seinen Ruf verdient. Statt Maschinen nach festen Intervallen zu warten oder erst dann einzugreifen, wenn etwas kaputt ist, analysieren Modelle laufend Sensordaten und sagen vorher, wann welche Komponente mit welcher Wahrscheinlichkeit ausfallen wird.

Ein ungeplanter Produktionsstillstand kostet in der verarbeitenden Industrie typischerweise das Drei- bis Fünffache einer geplanten Wartung. Ein Modell, das diesen Ausfall zwei Wochen im Voraus mit 80-prozentiger Wahrscheinlichkeit vorhersagt, ermöglicht eine vollständig andere Planung.

Datenvoraussetzung

Maschinensensordaten in Echtzeit oder Minutentakt, historische Wartungs- und Ausfallprotokolle.

Implementierungsaufwand

★★★★☆ Hoch – je nach Sensorisierungsgrad des Maschinenparks

ROI-Einschätzung

Sehr hoch bei maschinenintensiven Betrieben. ROI typischerweise 3:1 bis 8:1 nach vollständiger Implementierung.

Geeignet für

Produzierendes Gewerbe mit kostenintensiven Maschinen, langen Reparaturzeiten oder kritischen Produktionslinien.

Wichtiger Hinweis zu Make-Use-Cases

Erst die digitale Basis schaffen – dann analysieren

Use Cases 05 und 06 sind leistungsstark, setzen aber voraus, dass Produktionsdaten überhaupt digital vorliegen. Wer noch mit papierbasierten Wartungsplänen oder manueller Fertigungsdokumentation arbeitet, sollte zuerst in die Digitalisierung der Erfassung investieren. Die Analysefähigkeit kommt dann als zweiter Schritt.

4
Prozessbereich: Deliver & Return

Logistik & Kundenseite: Daten, die Ihre Kundenbeziehung absichern

Die Kundenseite der Supply Chain ist oft der blinde Fleck in Analyse-Projekten. Dabei steckt hier das Feedback, das Ihnen zeigt, ob Ihre gesamte vorgelagerte Planung funktioniert.

07

Deskriptiv bis Prädiktiv · Deliver

Echtzeit-Fahrzeugüberwachung & Transportoptimierung

GPS- und Fahrzeugdaten in Echtzeit auszuwerten ist technisch heute kein großes Projekt mehr – die meisten modernen Flottenfahrzeuge liefern diese Daten bereits. Einfache Echtzeitvisualisierung. Routenoptimierung auf Basis von Verkehrsdaten, Zeitfenstern und Fahrzeugauslastung. Automatische Kundeninformation bei Verzögerungen.

Für Unternehmen mit eigener Flotte oder komplexer Tourenplanung ist dieser Use Case oft einer mit dem schnellsten sichtbaren ROI: Kraftstoffkosten sinken, Liefertreue steigt, und der manuelle Koordinationsaufwand reduziert sich deutlich.

Datenvoraussetzung

GPS-Tracker in Fahrzeugen (oft bereits vorhanden), Touren- und Lieferdaten aus TMS oder ERP.

Implementierungsaufwand

★★☆☆☆ Niedrig – wenn Tracker vorhanden sind

ROI-Einschätzung

Hoch für Fuhrparkbetreiber und Logistikdienstleister. Typische Kraftstoffeinsparung: 8–15 %.

Geeignet für

Logistikdienstleister, Händler mit eigener Auslieferung, produzierendes Gewerbe mit Werkstransporter-Flotte.

08

Prädiktiv · Deliver

Kundenwertanalyse & Erfolgsprognose

Nicht alle Kunden sind gleich viel wert – aber wissen Sie, welche Ihrer Kunden wirklich profitabel sind? Und welche Sie in den nächsten 12 Monaten wahrscheinlich verlieren werden, bevor es passiert?

Kundenwertanalysen segmentieren Ihre Kundenbasis auf Basis von Umsatz, Deckungsbeitrag, Bestellhäufigkeit, Reklamationsquote und Serviceaufwand. Prädiktive Churn-Modelle identifizieren Kunden mit sinkender Aktivität – rechtzeitig, um gegensteuern zu können.

Datenvoraussetzung

Umsatz-, Deckungsbeitrags- und Bestelldaten auf Kundennummer-Ebene. CRM-Daten hilfreich, aber nicht zwingend.

Implementierungsaufwand

★★★☆☆ Mittel

ROI-Einschätzung

Sehr hoch für Unternehmen mit heterogener Kundenbasis. Direkte Wirkung auf Vertriebseffizienz und Kundenbindung.

Geeignet für

B2B-Unternehmen mit mehr als 50 aktiven Kunden, hohem Vertriebsaufwand oder signifikanter Kundenfluktuation.

09

Deskriptiv bis Prädiktiv · Deliver

Analyse des Kundenfeedbacks

Kunden teilen kontinuierlich Feedback – in Servicetickets, E-Mails, Bewertungsportalen, Umfragen und sozialen Medien. Die meisten Unternehmen lesen es stichprobenartig. Keiner analysiert es systematisch.

Text-Mining-Verfahren können unstrukturierte Textdaten automatisch auswerten: Häufigste Beschwerdethemen, Veränderungen in der Stimmung über Zeit, Produkte oder Servicepunkte mit überproportional negativem Feedback.

Datenvoraussetzung

Digitale Kundenkommunikation (Tickets, Mails, Bewertungen). Je mehr Text, desto besser die Modellqualität.

Implementierungsaufwand

★★★☆☆ Mittel – Textanalyse erfordert NLP-Kompetenz oder entsprechende Tools

ROI-Einschätzung

Mittel bis hoch – indirekt durch Qualitätsverbesserung und bessere Kundenbindung.

Geeignet für

Unternehmen mit großem Servicevolumen, hoher Reklamationsquote oder strategischem Fokus auf Kundenzufriedenheit.

10

Prädiktiv · Return

Mustererkennung in Kundenreklamationen & Retouren

Reklamationen und Retouren sind teuer. Aber sie sind auch Daten. Dieser Use Case nutzt Big-Data-Technologien, um Muster zu identifizieren: Welche Produktvarianten häufen Beschädigungsreklamationen an? Welche Lieferwege korrelieren mit Qualitätsproblemen?

Die Erkenntnisse fließen direkt in Produktdesign, Verpackungsentscheidungen, Lieferantensteuerung und Qualitätskontrolle zurück – ein klassischer Kreislauf, der ohne Datenanalyse langsam und unvollständig bleibt.

Datenvoraussetzung

Strukturierte Reklamations- und Retourendaten mit Ursachenkodes, idealerweise verknüpft mit Produktions- und Lieferdaten.

Implementierungsaufwand

★★★☆☆ Mittel

ROI-Einschätzung

Hoch – direkte Wirkung auf Retourenkosten, Qualitätskosten und Kundenzufriedenheit.

Geeignet für

E-Commerce, Handel und Hersteller mit Endkundengeschäft oder signifikantem B2B-Reklamationsvolumen.

5
Prozessbereich: Enable

Übergreifende Funktionen: Daten, die Ihr Unternehmen zukunftsfähig machen

Die letzten beiden Use Cases sind nicht einem einzelnen Prozessschritt zuzuordnen – sie wirken quer durch die gesamte Organisation. Sie sind komplex, haben aber ein enormes strategisches Potenzial.

11

Deskriptiv · Enable

Human Resources Dashboard

Personalplanung und Supply-Chain-Kapazität hängen direkt zusammen – aber in den wenigsten Unternehmen werden HR-Daten mit Operations-Daten verbunden. Ein HR-Dashboard visualisiert Krankenquoten, Fluktuation, Qualifikationsprofile und Schichtbesetzung in einer gemeinsamen Ansicht.

Einstiegshinweis: Dieser Use Case ist technisch einfacher als viele andere, weil HR-Daten meist strukturiert und gut gepflegt vorliegen. Er ist oft ein unterschätzter Quick Win.

Datenvoraussetzung

HR-System (Zeiterfassung, Personalstamm) und Operations-Daten (Schichtpläne, Kapazitätsplanung).

Implementierungsaufwand

★★☆☆☆ Niedrig bis mittel

ROI-Einschätzung

Hoch – besonders bei personalintensiven Betrieben. Hohe Fluktuation kostet typischerweise das 0,5–1,5-Fache eines Jahresgehalts pro Abgang.

Geeignet für

Logistikdienstleister, Fertigungsunternehmen und alle Betriebe mit mehr als 50 Mitarbeitenden und hoher Personalabhängigkeit.

12

Präskriptiv · Enable

Supply Chain Risk Analytics & Simulation

Das ist der komplexeste – und langfristig strategisch wertvollste – Use Case in dieser Liste. Supply Chain Risk Analytics bedeutet: Sie modellieren Ihre gesamte Lieferkette als simulierbares System und können Szenarien durchrechnen, bevor sie eintreten. Was passiert, wenn Lieferant X in Q3 ausfällt? Wie lange halten unsere Sicherheitsbestände bei einer 3-wöchigen Störung?

Ehrliche Einschätzung: Dieser Use Case ist für die meisten KMU kein Einstiegsprojekt. Er ist ein Zielbild. Wer Use Cases 01 bis 03 gut umgesetzt hat, hat die Grundlage für diesen Schritt gelegt.

Datenvoraussetzung

Umfangreiche interne und externe Datenbasis. Voraussetzung: gut funktionierende Use Cases auf Ebene Plan und Source.

Implementierungsaufwand

★★★★★ Sehr hoch – mittelfristiges Ziel, kein Einstieg

ROI-Einschätzung

Sehr hoch bei vollständiger Implementierung – aber realisierbar erst nach Aufbau der Datenbasis über andere Use Cases.

Geeignet für

Unternehmen mit komplexen, globalen oder risikobehafteten Lieferketten. Als Einstieg nur mit externer Beratung und klarem Data-Analytics-Fundament.

Alle 12 Use Cases im Überblick

Die folgende Tabelle fasst alle 12 Use Cases nach Prozessbereich, Analyse-Stufe, Implementierungsaufwand und ROI-Einschätzung zusammen. Sie ist der schnellste Weg, Ihren möglichen Einstiegspunkt zu identifizieren.

#Use CaseAnalyse-StufeAufwandROIEinstieg?
01Vertriebs- & AbsatzreportingDeskriptiv★★☆☆☆HochJa – ideal als Start
02Bedarfsprognosen & LageroptimierungPrädiktiv★★★☆☆Sehr hochJa – nach UC 01
03Lieferantenperformance-AnalyseDeskriptiv–Prädiktiv★★☆☆☆HochJa – starker Quick Win
04Identifikation innovativer LieferantenPrädiktiv–Präskriptiv★★★★☆VariabelNur bei strategischem Bedarf
05Optimierung ProduktionsprozessePrädiktiv–Präskriptiv★★★★☆Sehr hochErst nach Digitalisierung
06Predictive MaintenancePrädiktiv★★★★☆Sehr hochNur mit Sensordaten-Basis
07Echtzeit-FahrzeugüberwachungDeskriptiv–Prädiktiv★★☆☆☆HochJa – bei eigener Flotte
08Kundenwertanalyse & ChurnPrädiktiv★★★☆☆Sehr hochJa – bei heterogener Kundenbasis
09Kundenfeedback-AnalyseDeskriptiv–Prädiktiv★★★☆☆Mittel–HochAb hohem Servicevolumen
10Mustererkennung RetourenPrädiktiv★★★☆☆HochJa – bei relevanter Retourenquote
11HR-Dashboard & KapazitätsplanungDeskriptiv★★☆☆☆HochJa – unterschätzter Quick Win
12Supply Chain Risk AnalyticsPräskriptiv★★★★★Sehr hochNicht als Einstieg

Welcher Use Case ist der richtige für Sie? 5 Fragen, die Ihnen die Antwort geben.

Die Tabelle oben zeigt Ihnen die Optionen. Diese fünf Fragen helfen Ihnen, Ihre persönliche Antwort zu finden. Seien Sie dabei ehrlich – nicht mit mir, sondern mit dem Status Ihres Unternehmens.

Ihr Use-Case-Kompass: 5 Fragen

1

Wo liegt gerade der größte Schmerzpunkt?

Bestand (zu viel / zu wenig) UC 02
Liefertreue UC 03
Kundenverluste UC 08
Ungeplante Maschinenstillstände UC 06
Mangelnde Entscheidungsgrundlage allgemein UC 01 als Start
2

Welche Daten sind bereits vorhanden und gepflegt?

Nur ERP-Basisdaten Start mit UC 01 oder 03
Zusätzlich Kundenhistorien UC 08
GPS-Daten und Flottentelematik UC 07
Maschinensensordaten UC 05 oder 06
3

Wie viel interne IT-Kapazität haben Sie für ein Projekt?

Keine eigene IT UC 01 (Self-Service BI), UC 03, UC 11
Eigene IT-Abteilung vorhanden UC 02, 08, 10
Externes Entwicklungsteam UC 05, 06, 12
4

Wie hoch ist Ihr Zeithorizont für erste Ergebnisse?

Ergebnisse in 4–8 Wochen UC 01, 03, 07, 11
Ergebnisse in 3–6 Monaten UC 02, 08, 10
Strategisch in 1–2 Jahren UC 05, 06, 12
5

Wer trägt intern die Verantwortung – und steht das Management dahinter?

Kein klarer Sponsor Start mit einem kleinen, sichtbaren Use Case (UC 01), um intern Überzeugung zu schaffen
Klarer Management-Support Wählen Sie den Use Case mit dem größten strategischen Hebel für Ihr Unternehmen

Die wichtigste Erkenntnis aus diesem Artikel: Es gibt keinen universell richtigen Use Case. Es gibt den richtigen Use Case für Ihr Unternehmen – zum heutigen Zeitpunkt, mit Ihren heutigen Daten und Ihren heutigen Ressourcen. Wer mit Use Case 01 anfängt und daraus lernt, schafft die Grundlage für Use Case 02. Und wer Use Cases 01 bis 03 gut umgesetzt hat, hat die Datenbasis, die Use Case 12 eines Tages möglich macht.

Der teuerste Fehler: Mit Use Case 12 anzufangen, weil er am eindrucksvollsten klingt.

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